Rico, Oskar und die Tieferschatten

20.04.2010

 

Alter: ab 10 Jahren

Autor: Andreas Steinhöfel

Verlag: Carlsen

Preis: 12.90 €

 

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ploxxo: "Das sind schon zwei seltsame Typen: Rico, der tiefbegabte Junge, der immer ein bisschen länger denken muss als alle anderen und Oskar, der hochbegabte, aber ängstliche Junge, der sich ohne seinen Motorradhelm keinen Schritt aus dem Haus bewegt. Beide leben in der Dieffenbachstraße in Berlin-Kreuzberg und kaum haben sich die beiden kennen gelernt, müssen sie gleich ein gefährliches Abenteuer bestehen. Gemeinsam wollen die Freunde den so genannten ALDI-Kidnapper stellen – ein Kindesentführer, der wegen der preisgünstigen Lösegeldforderung von 2.000 Euro diesen Namen erhalten hat. Doch der Krimi ist lediglich gut gemachtes, amüsantes Beiwerk, nicht das Zentrum des Romans. Die Milieuschilderungen sind es, die Steinhöfels Roman so besonders machen und die Figuren, mit denen er seine Geschichte bevölkert.

 

Der naive Rico und der hyperintelligente Oskar sind wie magnetische Gegenpole, die unterschiedlicher nicht sein können, aber gemeinsam unschlagbar sind. Eingebettet in Ricos Tagebucheinträge erzählt Andreas Steinhöfel die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft. Steinhöfel gelingt eine ganz besondere Milieuschilderung, die weder diskriminierend gegenüber den Figuren, noch überfürsorglich pädagogisierend gegenüber seinen jungen Lesern ist, sondern einfach nur treffend und liebevoll. Wenn seine Mutter fragt „Schon was gegessen, ein Döner oder so?“ wird unmittelbar deutlich, in welcher Sphäre Rico lebt. Trotzdem Rico ein „Orientierungsvermögen wie eine besoffene Brieftaube in einem Schneesturm bei Windstärke 12“ hat und ihm manchmal „ein paar Sachen aus dem Gehirn fallen“, nimmt er die Stimmungen und das Verhalten seiner Mitmenschen sehr deutlich wahr. Ricos Mutter, die in einem Nachtclub arbeitet und ein ziemlich lockeres Mundwerk hat, liebt ihren Sohn sehr. Dadurch schenkt die alleinerziehende, erdbeerblonde Mutter ihrem Sohn enormes Selbstbewusstsein. Als Rico dem seltsamen und hochbegabten Oskar begegnet, fragt dieser ihn naseweis: „Kann es sein, dass du ein bisschen doof bist?“ – „Ich bin ein tiefbegabtes Kind“, entgegnet Rico ihm selbstsicher. Neugierig ist er auch und man schmunzelt über seine Erklärungen unbekannter Wörter, die er in einem Lexikon nachschlägt und die, in Merkkästchen gesetzt, im Text eingefügt sind.


Andreas Steinhöfels Sprache vereint Figurendarstellung und Milieuschilderung zu einem modernen Sozialroman für Kinder. Der Illustrator Peter Schössow hat den beiden kindlichen Helden mit wenigen Strichen eine Optik gegeben, die perfekt zum Roman passt. „Rico, Oskar und der Tieferschatten“ wurde 2009 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

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