Ringel, Rangel, Rosen

19.11.2010

 

 

Alter: ab 13-14 Jahren

Seiten: 192

Autor: Kirsten Boie

Verlag: Oetinger

Preis: 14.95 €

 

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ploxxo Lesemeinung: "Das Leben der 13-jährigen Karin ist sorglos, voller jugendlicher Begeisterung genießt sie den Sommer Anfang der 60er Jahre mit all seinen lebenswerten Besonderheiten: Treffen mit Freunden am See, die ersten Gefühle von weiblichem Erwachsen werden, die Unbeschwertheit einer kindlichen Jugend, das Zusammensein mit der Familie und den Nachbarn.

 

Weit entfernt scheint da der mehr 15 Jahre zurückliegende Krieg zu sein, nur selten bekommt Karin von ihrer Umgebung ein Gefühl davon vermittelt. Erst als sie ein Buch aus der damaligen Zeit über das grausame Schicksal der Juden liest, beginnt sie sich Gedanken über das "Warum" zu machen und stellt kritische Fragen an sich selbst und ihr Umfeld. Doch bei ihren Eltern stößt ihr Interesse auf Abwehr, zu groß scheint das Gefühl des Verdrängens, das Abwehren von Schuldgefühlen zu sein.

Mit dem Einsetzen der Flutkatastrophe in Hamburg 1962 verändert sich nicht nur Karins Paradies, sonder auch ihre Sichtweise auf die Dinge dramatisch. Eben noch Teil einer heilen, sommerlichen Nachkriegswelt, erlebt sie im nächsten Moment das Schicksal von Geretteten der Sturmflut am eigenen Leib. Die bis dahin relevante Frage nach der Kriegsbeteiligung der Eltern gerät in Anbetracht des eigenen Schicksals in den Hintergrund. Erst einige Zeit später schafft sie es, ihr Interesse wieder zu beleben. Aber ihre Nachforschungen sind leider alles andere als angenehm, denn sie zeigen ein anderes, völlig unerwartetes Bild ihrer fürsorglichen Eltern - das von Beteiligten im Kriegsgeschehen.

Emotional und sensibel nimmt Kerstin Boie die jugendlichen Leser in die Welt von Karin mit, lässt sie Teil ihrer Gefühle, ihrer Zweifel und ihrer Bemühungen nach Klärung von wichtigen Fragen werden. Und auch als die Naturkatastrophe Karins Leben in Kürze so dramatisch verändert, erlebt der Leser dies hautnah und sehr gefühlvoll mit.
Doch nicht das Aufarbeiten des Kriegsgeschehens steht im Mittelpunkt dieses stillen Buches, sondern der Umgang der Menschen mit dem Erlebten. Fragen nach den Gründen für das Schweigen ihrer Eltern bei Fragen zum Kriegsgeschehen machen sich bei Karin ebenso breit wie bei dem Leser. Und erst als die 13-jährige Teil einer eigenen Katastrophe wird erlebt sie, dass das Verdrängen von Gedanken eine menschliche Option in Schicksalssituationen ist.

Überzeugend war für uns der sanfte sprachliche und emotionalen Umgang mit dem sensiblen Thema Kriegsgeschehen und den damit verbundenen menschlichen Schicksalen und Beteiligungen. Mit ihrer Beschreibung der emotionalen Gefühls- und Lebenswelt einer 13-jährigen, besonders in Ausnahmesituationen, ist Kerstin Boie eine authentische Lebensgeschichte gelungen, die nicht nur jugendliche Leser fesselt, sondern auch gerne Erwachsene begeistern kann."

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