Der Junge auf dem Berg

31.08.2017

 

Alter: ab 12-13 Jahren

Autor: John Boyne

Verlag: FISCHER Sauerländer

Preis: 16.90 € (gebundene Ausgabe)

 

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ploxxo: "John Boyne zeigt wieder einmal eindrucksvoll, dass er ein komplexes geschichtliches Thema, zu dem die Kinder unserer Zeit eher größeren Abstand haben, in eine altersgerechte, lebendige Erzählung verpacken kann.

Dabei schafft er es gekonnt, den freundlichen, liebenswerten Charakter von Pierrot, seiner jungen Hauptfigur, im Verlauf der Geschichte mit historischen Ereignissen und Begegnungen zu verweben, und damit dessen schleichenden Wertewandel aufzuzeigen.

 

Ein Buch, das von der ersten Sekunde an mitreißt, begeistert und nachdenklich stimmt und uns Leser am Ende über die Frage grübeln lässt, ob Pierrot jemals eine andere Chance gehabt hätte?!

 

Zur Geschichte: Der kleine Deutsch-Franzose Pierrot ist sieben Jahre alt, als sich sein Leben auf unwiderrufliche Weise verändert. Nachdem er bereits im Alter von vier Jahren seinen Vater, der an den Ereignissen des Ersten Weltkrieges verzweifelte, verlor, muss er nur wenige Jahre später miterleben, wie seine Mutter an Tuberkulose stirbt. Leider gibt es keine Verwandte in Paris, zu denen er kann, und bei seinem besten Freund Anshel und dessen Mutter, einer jüdischen Familie, mit der er groß geworden ist, kann er nicht bleiben, da das Leben für Juden in dieser Zeit schon schwierig genug ist.

Doch Pierrot hat Glück im Unglück und landet im Waisenhaus zweier Schwestern, die vielen Kindern in ähnlicher Situation helfen. Mit offenem Herzen probiert er aus seiner traurigen Situation das Beste zu machen. Als er dann eines Tages einen Brief seiner ihm bis dahin unbekannten Tante Beatrix aus Deutschland erhält, scheint sein Leben endlich wieder in Ordnung zu kommen, denn sie holt ihn auf den Berghof bei Berchtesgaden, dem Sommersitz Adolf Hitlers, in dem sie als Haushälterin arbeitet.

 

Tante Beatrix ist eine freundliche, schöne Frau Mitte dreißig, die sich liebevoll um Pierrot kümmert. Dennoch kann sie nicht außer Acht lassen, dass er Halbfranzose ist und dieses Thema für den Herren, wie die Angestellten des Berghof Hitler ehrfürchtig nennen, in seinem Haus inakzeptabel ist. Zu seiner eigenen Sicherheit bittet sie ihn den Namen Peter anzunehmen und nur noch in Gedanken Pierrot zu sein, und auch seine Freundschaft zu Anshel, seinem jüdischen Freund in Paris, zu beenden.

Eine idyllische Zeit auf dem Berghof beginnt und Peter fängt an, die Schrecken seiner Kindheit und die Trauer um seine Maman zu vergessen. Nur an seinen Vater, den deutschen Soldaten, denkt er immer wieder in seinen Träumen, denn ihm fühlt er sich in seiner Seele verbunden.

Als er Hitler zum ersten Mal begegnet, ist er voller Ängste, denn jeder im Haus fürchtet dessen herrische Art und seinen Zorn. Doch bald macht Interesse seinen Ängsten Platz, und Peter kommt immer wieder mit dem Führer in Kontakt. Als dieser ihm eine Hitlerjugend Uniform schenkt und ihn darauf schwören lässt, ist er zum ersten Mal in seinem Leben stolz, fühlt sich Ernst genommen und seinem Vater in tiefster Seele verbunden.

Im Laufe der Zeit prägen die Regeln, Vorgaben und das Verhalten Hitlers zunehmend Peters Wesen und lassen ihn, der einst höflich und liebenswert war, zu einem machtliebenden und herrischen Hitlerjungen werden. Das ganze Ausmaß seiner Veränderung zeigt sich, als er am Weihnachtsabend an seiner liebenswerten Tante Beatrice und dem stets freundlichen Chauffeur Ernst einen folgeschweren Verrat begeht.

 

John Boynes Schreibstil ist lebendig, mitreißend und von zeitgeschichtlichen Informationen, die er gekonnt altersgerecht verpackt, geprägt. Gekonnt lässt er seine Leser an Pierrots, später Peters Leben teilhaben, mit ihm leiden, als er seine Maman verliert, mit ihm Ängste ausstehen, als er allein die lange Zugfahrt von Frankreich nach Deutschland antreten muss, seine Freude über die Idylle auf dem Berghof mit ihm erleben.... bis sich langsam Verzweiflung breit macht, als wir erleben, welche Wesensveränderung Peter durch die Beinflussung Hitlers durchläuft.

 

Der Junge auf dem Berg ist außergewöhnlicher Lesestoff für Kinder/Jugendliche ab 12-13 Jahren sowie für Erwachsene. Ein Buch, das viel Platz für Gespräche über die Macht von negativer Beeinflussung und damit verbundener Charakteränderung bietet. Denn immer wieder stellt man sich die Frage, wie Pierrot es mit seinen sieben Jahren alleine hätte schaffen sollen, dem Einfluss des "Herren" zu entkommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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